Einleitung
Die technische Komplexität in der Automobilindustrie steigt rasant, da Fahrzeuge zunehmend softwaregetrieben und individualisierbar werden. Gleichzeitig setzen globale Lieferketten, verteilte Entwicklungsteams und steigende Qualitätsanforderungen das Datenmanagement über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg unter Druck. Der Einsatz isolierter Tools ist in diesem Umfeld nicht nur ineffizient, sondern birgt auch erhebliche Geschäftsrisiken, da fragmentierte Daten entstehen können. Effektive Engineering-Entscheidungen hängen jedoch davon ab, Produktdaten, Tests und Anforderungen miteinander zu verknüpfen.
Tristone begegnete dieser Herausforderung sowohl technisch als auch organisatorisch. Projekt-, Test- und Entwicklungsdaten wurden über viele Jahre hinweg in unterschiedlichen Systemen und Regionen verwaltet, was Konsistenz, Rückverfolgbarkeit und Abstimmung erschwerte. Um diese Herausforderungen zu lösen, führte Tristone Aras Innovator® als zentrale Plattform ein, die Projekte, Tests und Anforderungen miteinander verbindet. Dadurch wurden fragmentierte Prozesse in einen einheitlichen, lifecycle-orientierten Ansatz über Teams und Standorte hinweg überführt.
Über Tristone
Die Tristone Flowtech Group ist ein globaler Automobilzulieferer mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Das Unternehmen entwickelt und produziert Fluid- und Thermomanagementsysteme für Motor- und Batteriekühlung sowie Anwendungen im Bereich Ladeluft und Ansaugsysteme. Als Systemlieferant und Entwicklungspartner führender OEMs agiert Tristone in einem hochkomplexen Umfeld. Produkte müssen auf spezifische Kundenanforderungen zugeschnitten sein und gleichzeitig strenge Qualitäts- und Leistungsstandards erfüllen.
Mit einem globalen Netzwerk aus Entwicklungs-, Produktions- und Forschungsstandorten unterstützt Tristone Kunden in allen wichtigen Automobilregionen weltweit. Das Unternehmen betreibt zahlreiche Werke, Engineering-Zentren und Kundenprogramme und verwaltet eine große Anzahl an Produktvarianten, Testaktivitäten und kundenspezifischen Anforderungen innerhalb seiner globalen Organisation.
| Mitarbeiter | ca. 4.000 weltweit |
| Länder mit Standorten | 15 |
| Umsatz | ca. 500 Mio. € (2023) |
| Geschäftsmodell | Tier-1-Zulieferer, Multi-OEM |
| Kernkompetenzen | Fluid- und Thermomanagementsysteme |
| Globale Präsenz | Engineering, F&E und Produktion weltweit |
Pain points
Vor der Einführung von Aras Innovator entsprach die Systemlandschaft von Tristone einem typischen Muster vieler Fertigungsunternehmen: Kritische Daten waren über unterschiedliche Tools verteilt und verfügten weder über eine konsistente Struktur noch über ausreichende Vernetzung. Das Projektmanagement basierte auf einer veralteten Microsoft-Access-Datenbank. CAD-Daten wurden in den technischen Zentren uneinheitlich verwaltet – von lokalen Systemen wie Smart Team und Teamcenter bis hin zu einfacher SharePoint-basierter Ablage. Ein standardisiertes Teilenummernsystem existierte nicht. Gleichzeitig wurden Labortests nahezu vollständig in Excel verwaltet, mit separaten Tabellen für Testanfragen, Testverfahren und die Nachverfolgung von Laboraktivitäten.
Obwohl jedes Tool für sich funktionierte, fehlte eine integrierte Sicht auf den gesamten Lifecycle. Projekte, Teile und Testaktivitäten waren nicht konsistent miteinander verknüpft. In einer globalen Organisation mit Aktivitäten in 15 Ländern konnten bereits kleine Inkonsistenzen erhebliche Auswirkungen haben.
Früher war es mein Excel-Sheet gegen dein Excel-Sheet, obwohl wir über dasselbe Projekt gesprochen haben.
Tomasz Klassen, Laboratory Coordinator, Tristone
Schon ein einzelner Tippfehler im Projektnamen konnte die Verbindung zwischen Datensätzen unterbrechen. Unterschiedliche Teams, Standorte und Systeme bedeuteten nicht automatisch, dass alle Beteiligten mit denselben Informationen arbeiteten. In einem Entwicklungsumfeld mit global verteilten Standorten, kundenspezifischen Produktvarianten und komplexen Validierungsanforderungen führte diese fehlende gemeinsame Grundlage zu geringerer Effizienz, langsameren Entscheidungen und einem erhöhten Fehlerrisiko.
PLM-Anforderungen
Um diese Herausforderungen zu überwinden, benötigte Tristone mehr als nur ein neues Tool. Ziel war es, ein vernetztes System zu schaffen, das Daten, Prozesse und Teams über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg integriert. Zu den wichtigsten Anforderungen gehörten:
- Eine zentrale Datenbasis für Projekte, Teile- und Testdaten
- Strukturierte und rückverfolgbare Kundenanforderungen
- Unterstützung für Variantenmanagement über unterschiedliche OEM-Spezifikationen hinweg
- Integration mit CAD-Systemen wie CATIA und NX
- Verknüpfung von Tests mit Engineering und Projektmanagement
- Skalierbarkeit über eine globale Multi-Standort-Organisation hinweg
Flexibilität war ein entscheidender Faktor im Auswahlprozess. Nach der Bewertung von Aras Innovator im Vergleich zu anderen PLM-Lösungen kristallisierten sich drei Hauptkriterien heraus: Kompatibilität mit CATIA und NX, Konfigurationsflexibilität und wettbewerbsfähige Kosten. Systeme, die aufwendig anzupassen waren und umfangreiche Entwicklungsprojekte erforderten, wurden früh ausgeschlossen. Aras überzeugte insbesondere durch seine Low-Code-Architektur, die es Tristone ermöglicht, Datenmodelle, Workflows und Anwendungen ohne komplexe Programmierung anzupassen und Prozesse kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Wir wollten eine flexible Lösung und Aras bietet eindeutig sehr viele Konfigurationsmöglichkeiten.
Adrien Gillot, Group CAD Manager, Tristone
Erfolge mit Aras Innovator
Heute dient Aras Innovator Tristone als zentrale Plattform, die Projekte, Tests und Entwicklungsdaten über die globalen Standorte hinweg miteinander verbindet. Derzeit verfügt Tristone über 150 Aras-Lizenzen. Alle Projektmanager arbeiten innerhalb der Plattform, und rund ein Drittel der CAD-Konstrukteure speichert und überarbeitet aktiv 3D-Modelle in Aras. Das Unternehmen plant, in den kommenden Monaten eine vollständige Einführung für CAD und Change Management zu erreichen
Diese Transformation hat alle wesentlichen Geschäftsbereiche beeinflusst:
Das Projektmanagement entwickelte sich beispielsweise von statischer Nachverfolgung hin zu einem vernetzten, lifecycle-orientierten Ansatz. Projektmanager arbeiten heute direkt in Aras Innovator und verwalten Projektstrukturen, Deliverables und Verantwortlichkeiten innerhalb eines einheitlichen Systems. Projekte sind nicht länger isolierte Zeitpläne, sondern mit Entwicklungsdaten, Testaktivitäten und Anforderungen verknüpft. Dies ermöglicht:
- Echtzeit-Transparenz über den Projektstatus
- Verbesserte Koordination über Funktionen hinweg
- Klare Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten
Projekte sind heute vollständig in den übergeordneten Lifecycle eingebettet und ermöglichen fundiertere Entscheidungen in jeder Phase.
Besonders stark verändert haben sich Testing und Lab Management. Früher wurden sämtliche Laboraktivitäten – von Testanfragen über Testverfahren bis hin zur Nachverfolgung – über getrennte Excel-Dateien verwaltet. Es gab keine zentrale Datenbasis und keine konsistenten Verknüpfungen zu Projekten, Teilen oder Anforderungen. Die Skalierung dieses Ansatzes über mehrere Labore und Regionen hinweg wurde zunehmend schwieriger. Mit Aras Innovator können heute sämtliche Testanfragen und Testverfahren innerhalb eines einzigen Systems verwaltet werden. Der Wandel erfolgte schnell und umfassend.
Heute verwalten wir alle Testanfragen und -verfahren in Aras. Der größte Vorteil dabei ist, dass die Daten vollständig miteinander verknüpft sind.
Tomasz Klassen
Testaktivitäten werden heute:
- Zentral verwaltet
- Mit Projekten und Teilen verknüpft
- Mit Kundenanforderungen verbunden
- Über Planung und Ressourcenmanagement koordiniert
Dadurch entsteht Kontinuität über den gesamten Lifecycle hinweg. Teams können strukturierte Daten wiederverwenden, den Aufwand reduzieren und die Konsistenz über verschiedene Standorte hinweg verbessern, ohne den Kontext für jeden Test neu aufbauen zu müssen. Weitere Funktionen befinden sich bereits in Entwicklung, darunter anpassbare Testergebnisformulare, automatisierte Testberichte und erweiterte Planungsmodule für sämtliche Testarten innerhalb der Tristone-Gruppe.
Als Multi-OEM-Zulieferer steht Tristone zudem vor besonderen Herausforderungen im Anforderungs- und Variantenmanagement. Kundenspezifikationen werden häufig als komplexe Dokumente mit unterschiedlichen Strukturen, Begrifflichkeiten und Anforderungen geliefert. Diese müssen in einen konsistenten Entwicklungs- und Validierungsprozess überführt werden.
Mit Aras Innovator werden diese Spezifikationen in strukturierte Objekte innerhalb der Plattform überführt. Jeder Test und jede Variante wird eindeutig identifiziert, sodass Ressourcenbedarf, Kosten und Aktivitäten effizienter geplant werden können. Dadurch entstehen:
- Systematisches Management von Produkt- und Testvarianten
- Standardisierte Validierungsprozesse
- Verbesserte Planung und Kostentransparenz
- Konsistente Abstimmung über globale Teams hinweg
Für dasselbe Teil erhalten wir von verschiedenen Kunden teilweise völlig unterschiedliche Testanforderungen. Dank des strukturierten Ansatzes von Aras können wir heute eine standardisierte Testmethodik definieren und die Kriterien für jeden Kunden individuell anpassen.
Adrien Gillot
Dieser strukturierte Ansatz schafft zusätzliche Effizienzgewinne: Daten, die in frühen Prozessschritten erzeugt werden, stehen automatisch in späteren Phasen zur Verfügung. Planer müssen beispielsweise keine Stückzahlen, Teilespezifikationen oder Standardtestbeschreibungen mehr aus verschiedenen Dateien und Ordnern zusammensuchen. Diese Grundlagen sind bereits vorhanden, sodass sich Teams stärker auf wertschöpfende Aufgaben konzentrieren können – etwa die Optimierung von Testzeitpunkten und Abläufen.
Auch die Zusammenarbeit rund um gemeinsame Daten hat sich grundlegend verändert. Früher bedeutete Zusammenarbeit den Austausch von Dateien und den Abgleich unterschiedlicher Versionen. Häufig bemerkten Teams erst spät, dass sie mit unterschiedlichen Daten arbeiteten. Heute greifen alle Teams innerhalb eines gemeinsamen Systems auf dieselben Daten zu.
Dies gilt auch für CAD-Daten, die nun allen Anwendern direkt in Aras zur Verfügung stehen. Jeder Benutzer kann CAD-Daten innerhalb der Plattform anzeigen und vermessen, ohne zusätzliche Spezialsoftware zu benötigen. Standardisierte Teilenummern, konsistente Testverfahren und ein einheitliches CAD-Management werden zunehmend zum Standard innerhalb der gesamten Gruppe
Wir haben jetzt alle denselben Blick auf dasselbe Objekt. Wir arbeiten mit denselben Informationen.
Tomasz Klassen
Ergebnisse
Die Transformation von Tristone führt bereits zu klar messbaren operativen Vorteilen. Durch die Einführung einer zentralen Datenbasis konnte das Unternehmen Datenmanagement und Organisation über die globalen Standorte hinweg deutlich verbessern. Projekte, Tests, Anforderungen und Varianten sind heute konsistent miteinander verknüpft und strukturiert. Anstatt Tausende von Tests pro Jahr über ein Netzwerk aus Excel-Dateien zu verwalten, nutzt Tristone nun ein einheitliches System.
Testing hat sich von einer isolierten Aktivität zu einem integralen Bestandteil des Produktlebenszyklus entwickelt. Die Ergebnisse umfassen weniger Fehler durch getrennte und manuelle Prozesse, bessere Rückverfolgbarkeit über Projekte, Teile und Tests hinweg, effizientere Planung und Durchführung von Testaktivitäten, stärkere Zusammenarbeit globaler Teams sowie deutlich höheres Vertrauen in Daten und Entscheidungen
Ausblick
Im Rahmen seiner langfristigen Digitalisierungsstrategie erweitert Tristone die Nutzung von Aras Innovator kontinuierlich. Zu den unmittelbaren Prioritäten gehören die vollständige Einführung von CAD und einheitlichem Change Management, um zeitnah eine 100-prozentige Nutzung zu erreichen. Gleichzeitig entwickelt das Team zusätzliche Testfunktionen wie Ergebnisformulare und automatisierte Berichtserstellung weiter.
Darüber hinaus untersucht Tristone den Einsatz von Aras Web Services und InnovatorEdge zur Entwicklung mobiler Anwendungen für Laborumgebungen. Diese Anwendungen sollen es Technikern ermöglichen, Barcodes oder QR-Codes zu scannen, Testinformationen abzurufen, Teststatus zu aktualisieren und Bestände zu prüfen – ganz ohne Desktop-PC.
Es wäre großartig, dieses System auf mobile Geräte zu bringen. So könnten Anwender Barcodes scannen, den Teststatus aktualisieren und direkt vor Ort auf Informationen zugreifen.
Tomasz Klassen
Fazit
Die Entwicklung von Tristone verdeutlicht eine zentrale Herausforderung moderner Produktentwicklung: Es geht nicht länger darum, einzelne Prozesse zu verwalten, sondern sie miteinander zu verbinden. Tristone hat diese Herausforderung erfolgreich gemeistert und profitiert heute in drei wesentlichen Bereichen:
- Die Low-Code-Konfigurierbarkeit von Aras ermöglicht es, die Plattform flexibel an neue Anforderungen anzupassen – ohne umfangreiche Programmierprojekte oder lange Implementierungszyklen.
- Eine zentrale Datenbasis hat die Zusammenarbeit grundlegend verändert. Engineering, Testing und Projektmanagement arbeiten heute mit denselben Daten, treffen Entscheidungen auf Basis derselben Informationen und bauen aufeinander auf, statt unterschiedliche Versionen abzugleichen.
- Dank des universellen Zugriffs auf CAD-Daten innerhalb der Plattform kann jeder Anwender direkt nachvollziehen, wie Teile konstruiert sind, und Maße überprüfen.
Der Wandel von „mein Excel-Sheet gegen dein Excel-Sheet“ hin zu einer gemeinsamen Realität über den gesamten Lifecycle hinweg ist bereits in vollem Gange. Mit zunehmender Nutzung und neuen Funktionen wird die vernetzte Grundlage, die Tristone geschaffen hat, weiterhin Teams, Standorten und Kundenprogrammen weltweit zugutekommen.
