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Unternehmen stehen heute unter zunehmendem Druck, ihre Umweltbelastung zu reduzieren und transparenter zu arbeiten. Angetrieben von verschärften Vorschriften und veränderten Erwartungen der Verbraucher überdenken Organisationen, wie sie Produkte entwerfen, herstellen und über ihren gesamten Lebenszyklus verwalten.

Der Digitale Produktpass (DPP) hat sich dabei als wertvolles neues Instrument etabliert. Er verpflichtet Unternehmen, Nachhaltigkeitsdaten über den gesamten Produktlebensweg hinweg zu verfolgen, zu messen und weiterzugeben. Doch angesichts sich wandelnder gesetzlicher Vorgaben, technischer Anforderungen und operativer Konsequenzen versuchen viele Organisationen noch zu verstehen, was DPPs für ihr Geschäft bedeuten.

Im neuesten Webinar von Aras, Sustainability and Beyond: The Impact of Digital Product Passports, haben sich Jörgen Ekblad und Martin Lundqvist von QCM sowie ich zusammengetan, um Einblicke in die Funktionsweise von DPPs zu geben und ihre Rolle bei der Förderung nachhaltiger Praktiken, der Bewältigung regulatorischer Herausforderungen und der Ermöglichung einer Kreislaufwirtschaft zu beleuchten.

Was ist ein Digitaler Produktpass?

Ein DPP ist ein digitaler Datensatz, der wesentliche Informationen über ein Produkt enthält – einschließlich seiner Materialien, Inhaltsstoffe, Reparierbarkeit und seines Recyclingpotenzials. Dieses Tool fungiert als umfassendes Datenpaket, das ein Produkt über seinen gesamten Lebenszyklus begleitet. Es schafft Transparenz, befähigt Unternehmen zu fundierten Entscheidungen und hilft Verbrauchern, Produkte mit geringer Umweltbelastung auszuwählen.

Der Europäische Green Deal

Der Anstoß für DPPs ist das Ergebnis des EU Green Deal, der stärkere Nachhaltigkeitsbemühungen und mehr Verantwortung bei der Produktgestaltung und dem Lebenszyklusmanagement fördert. Mit dem Ziel, die erste klimaneutrale Region der Welt zu werden, hat die EU den Green Deal ins Leben gerufen, um ambitionierte Ziele zur Reduzierung von CO₂-Emissionen, zur Förderung erneuerbarer Ressourcen und zur Verbesserung des Abfallmanagements zu setzen.

Die Kreislaufwirtschaft: Ein Fundament für Nachhaltigkeit

Die Kreislaufwirtschaft ist ein zentrales Konzept des EU Green Deal. Im Gegensatz zur traditionellen linearen Wirtschaft, die dem Prinzip „nehmen-herstellen-entsorgen“ folgt, zielt die Kreislaufwirtschaft darauf ab, Produkte und Materialien so lange wie möglich im Umlauf zu halten. Dieser Ansatz minimiert Abfall und fördert die Wiederverwendung.

Wie Lundqvist erklärte, sind DPPs für dieses Modell von zentraler Bedeutung, da sie Einblicke in die Materialien und Komponenten eines Produkts ermöglichen.

„Indem sie eine digitale Spur über das gesamte Produktleben hinweg bereitstellen, ermöglichen DPPs die Rückgewinnung wertvoller Materialien, reduzieren die Umweltbelastung und verlängern Produktlebenszyklen durch Remanufacturing und Reparatur.“ – Martin Lundqvist, CTO bei QCM

Wie DPPs funktionieren

DPPs sammeln detaillierte Produktdaten, die häufig auf einer Blockchain oder ähnlicher Technologie gespeichert werden, um Sicherheit und Authentizität zu gewährleisten. Diese Pässe enthalten Informationen wie die Herkunft der Materialien, Nachhaltigkeitszertifizierungen sowie Hinweise zu Recycling und Entsorgung. Sie werden über die gesamte Lieferkette hinweg geteilt – von den Herstellern bis hin zu den Verbrauchern –, sodass jeder Zugriff auf die vollständigen Lebenszyklusinformationen eines Produkts hat.

Allgemeine Regeln für DPPs

Während viele technische und gesetzliche Einzelheiten noch ausgearbeitet werden, zeichnen sich bereits folgende Grundregeln für DPPs im Rahmen der bevorstehenden EU-Vorschriften ab:

1. Verantwortung

Das Unternehmen, das ein Produkt auf den Markt bringt, ist vollständig für die im DPP enthaltenen Daten verantwortlich.

2. Datenformat

DPP-Daten müssen offen, maschinenlesbar, strukturiert und durchsuchbar sein. Akzeptierte Formate umfassen standardisierte Strukturen wie XML, um Interoperabilität und Zugänglichkeit über Systeme hinweg zu gewährleisten.

3. Eindeutige Kennzeichnung

Jedes Produkt muss eine eindeutige Kennung tragen, z. B. eine GITN, die direkt mit dem zugehörigen DPP verknüpft ist. Diese Kennung muss physisch am Produkt oder an der Verpackung angebracht sein. Technologien wie QR-Codes oder RFID können verwendet werden und müssen die Rückverfolgbarkeit sicherstellen – das Scannen muss immer auf genau dieses Produkt verweisen.

4. Granularitätsebenen

Je nach Produktkategorie variieren die Detailstufen in einem DPP. Diese Granularität bestimmt, wie genau die Informationen sein müssen – abhängig von Produkttyp und Herstellungsprozess:

  • Einzelebene: Für einzigartige, serialisierte Produkte, die einzeln nachverfolgt werden (z. B. Laptops)
  • Chargenebene: Für standardisierte Waren, die in Gruppen produziert werden (z. B. abgefüllte Getränke)
  • Modellebene: Für einheitliche Produkte, bei denen Chargeninformationen weniger relevant sind (z. B. Keramiktassen)

5. Zugriffsrechte

Der Datenzugriff erfolgt nach dem Prinzip der Erforderlichkeit und wird in zukünftigen Vorschriften weiter geregelt.

  • Öffentlich zugängliche Daten (z. B. CO₂-Fußabdruck) sind für alle verfügbar
  • Eingeschränkte Daten (z. B. exakte Materialzusammensetzung) sind möglicherweise nur für Recycler, Reparaturdienste und Zollbehörden zugänglich

6. Produktlebensdauer

Der DPP muss während des gesamten Produktlebenszyklus zugänglich bleiben. Lundqvist erklärte, dass die genaue Definition von „gesamter Lebensdauer“ noch geklärt wird, aber je nach Produkt mehrere Jahre oder Jahrzehnte betragen kann.

7. Datenaufbewahrung bei Insolvenz

Geht ein Unternehmen in Insolvenz, müssen die DPP-Daten an ein zertifiziertes Drittarchiv übertragen werden. Es wird derzeit diskutiert, ob solche Archive zwingend in der EU ansässig sein müssen.

Auswirkungen der DPPs

Wie Ekblad erklärt, stellt die Einführung der DPPs einen Wandel dar in der Art und Weise, wie Unternehmen Nachhaltigkeit und das Produktlebenszyklusmanagement angehen.

Dieser Wandel betrifft viele Bereiche eines Unternehmens – von Compliance und Koordination in der Lieferkette über Innovation, Datenstrategie und Kundenbindung bis hin zu neuen Geschäftsmodellen.

„Ein Digitaler Produktpass ist nur die Spitze des Eisbergs.“ – Jörgen Ekblad, COO bei QCM

Regulatorische Compliance

Mit zunehmenden Vorschriften zwingen DPPs Unternehmen dazu, fortlaufende, datengestützte Praktiken zu etablieren, die Transparenz und Rückverfolgbarkeit fördern. Über die bloße Einhaltung hinaus fordern DPPs ein Umdenken im Umgang mit Materialien, in der Zusammenarbeit mit Lieferanten und im Dialog mit Kunden über nachhaltige Entscheidungen.

Zusammenarbeit in der Lieferkette

Damit DPPs wirksam funktionieren, müssen Unternehmen die Zusammenarbeit mit ihren Lieferanten stärken. Das betrifft nicht nur die bezogenen Komponenten, sondern auch die Sicherstellung, dass Nachhaltigkeitsdaten nahtlos durch die gesamte Lieferkette fließen. Eine verbesserte digitale Infrastruktur ist entscheidend, um genaue Daten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg bereitzustellen.

Kundenbeziehungen und Marktchancen

Die steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten ist eine bedeutende Marktchance. Unternehmen, die frühzeitig nachhaltige Praktiken umsetzen und DPPs zur Darstellung ihrer Nachhaltigkeitsleistungen nutzen, können das Vertrauen und die Loyalität der Verbraucher stärken.

Innovation und neue Geschäftsmodelle

Die Nachfrage nach nachhaltigen Produkten treibt Innovationen in Design und Fertigung voran. DPPs fördern die Erprobung neuer Materialien, nachhaltiger Herstellungstechniken und langlebigerer Produkte. Unternehmen werden dazu angeregt, über die reine Produktentwicklung hinaus zu denken und den Weg für zirkuläre Geschäftsmodelle zu ebnen.

Produktdesign und Lebenszyklusmanagement

Nachhaltigkeitsprinzipien frühzeitig in die Produktentwicklung zu integrieren ist entscheidend. DPPs versorgen Ingenieure und Produktdesigner mit sofort verfügbaren, verwertbaren Daten. Ekblad betont, dass diese vorausschauende Herangehensweise sicherstellt, dass Nachhaltigkeit von Anfang an im Produktdesign verankert ist.

„Über 80 % der Umweltbelastung eines Produkts werden bereits in der Entwurfsphase festgelegt.“ – Jörgen Ekblad, COO bei QCM

Datenmanagement und Technologieintegration

Viele Unternehmen verlassen sich noch auf traditionelle Prozesse und Tools wie Tabellenkalkulationen für das Produktlebenszyklusmanagement (PLM) – was in Zeiten digitaler Transformation nicht mehr ausreicht. Der Umstieg auf effizientere digitale Lösungen erfordert einen schnelleren, strukturierteren Umgang mit Daten. Das bedeutet auch, dass alle internen und externen Stakeholder, einschließlich Lieferanten und Partner, eine gemeinsame Sprache zum Thema Nachhaltigkeit sprechen müssen.

Abfallvermeidung und Markenreputation

Die Einführung von DPPs kann Abfälle deutlich reduzieren, indem Materialien am Ende der Produktnutzung einfacher zurückverfolgt und wiederverwendet werden können. Das stärkt den Ruf eines Unternehmens als verantwortungsbewusste und zukunftsorientierte Marke.

Menschen, Prozesse und Daten: Ein integrierter Ansatz

Ich habe erklärt, dass die erfolgreiche Implementierung von DPPs einen strategischen, funktionsübergreifenden Ansatz erfordert, der Menschen, Prozesse und Daten über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg miteinander verbindet.

Im Mittelpunkt dieses Ansatzes steht der Digitale Thread – ein grundlegendes Rahmenwerk, das eine nahtlose Datenintegration von der Konstruktion über die Nutzung bis hin zur Entsorgung ermöglicht. Ein digitaler Thread verwebt alle relevanten Produktdaten zu einer einzigen, zugänglichen Informationsquelle. Das gewährleistet:

  • Datenintegration und -kontinuität: DPPs sind nur so zuverlässig wie die zugrunde liegenden Daten. Der digitale Thread sorgt dafür, dass alle Daten über den Lebenszyklus hinweg verbunden, aktuell und im Kontext verfügbar sind.
  • Erhöhte Rückverfolgbarkeit: Teams und Partner können die Herkunft von Produkten, Materialquellen und Umweltwirkungen sicher nachvollziehen.
  • Verbesserte Datenqualität: Konsistente Daten-Governance über Tools und Teams hinweg reduziert Fehler und bestätigt Nachhaltigkeitsaussagen.
  • Lebenszyklusmanagement: Der digitale Thread unterstützt Entscheidungen in jeder Phase und fördert eine zirkulärere Produktstrategie.
  • Regulatorische Compliance: Mit dem Aufkommen der DPP-Regelungen ist eine strukturierte, prüfbare Datenbasis unerlässlich.
  • Transparenz gegenüber Kunden: Durch die Bereitstellung verlässlicher Daten für Stakeholder und Endverbraucher stärken Unternehmen das Vertrauen in ihre Marke und übernehmen Verantwortung.

Blick nach vorn: So unterstützt die Aras Plattform DPPs

Mit einer digitalen Thread-Plattform können Unternehmen DPPs erfolgreich umsetzen und so zu einer nachhaltigeren Zukunft beitragen. Mit Aras Innovator® können Organisationen alle notwendigen Daten zum Produktlebenszyklus – von den Rohstoffen bis zum Recyclingpotenzial – erfassen und verwalten. Dieses zentrale Daten-Hub erleichtert die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und unterstützt eine nachhaltigere Herangehensweise an Produktentwicklung und Lebenszyklusmanagement.

Weitere Informationen finden Sie im vollständigen Webinar hier.