Was ist Lieferkettenmanagement (SCM)?
Das Lieferkettenmanagement (Supply Chain Management, SCM) bezeichnet die Koordination der Produktentwicklung und des Produktionsflusses eines Unternehmens – von der ersten Idee bis zur Auslieferung. Auch wenn SCM häufig mit der Logistik von Punkt A nach Punkt B assoziiert wird, ist die eigentliche Definition deutlich umfassender. Sie beginnt bereits bei der Konzeption und dem Design eines Produkts sowie bei der Beschaffung von Rohmaterialien – sogar schon in der Forschungs- und Entwicklungsphase.
Das Lieferkettenmanagement endet nicht zwangsläufig mit der Übergabe des Produkts an den Endnutzer. Je nach Definition reicht es bis zum Ende des gesamten Produktlebenszyklus. Strukturierte SCM-Frameworks ermöglichen es vernetzten Teams, effizienter zusammenzuarbeiten, tägliche Aufgaben besser auf Unternehmensziele abzustimmen und qualitativ hochwertige Produkte termingerecht zu liefern.
SCM umfasst sämtliche Lebenszyklusphasen eines Produkts: von der Marktforschung über die erste Entwicklung und den Prototypenbau bis hin zur Materialbeschaffung, Produktion, Auslieferung und Rückgabe. Dadurch ist das Lieferkettenmanagement ein zentraler Bestandteil jeder Strategie für das Product Lifecycle Management (PLM).
Die Geschichte des Lieferkettenmanagements
Frühe Beispiele für das Lieferkettenmanagement finden sich bereits in der Antike – etwa in der großflächigen Verteilung militärischer Versorgungsgüter im Römischen Reich oder dem sicheren und effizienten Transport von Luxuswaren entlang der Seidenstraße. Genau wie heutige Lieferketten erforderten auch diese Systeme die enge Zusammenarbeit unterschiedlicher Teams zur Koordination von Materialien, Arbeitskräften und Zeitressourcen, um die Waren an ihr Ziel zu bringen.
Ob Hochwasser oder eine globale Pandemie – Unterbrechungen in der Lieferkette sind unvermeidlich. Das Lieferkettenmanagement identifiziert solche Risiken und Verzögerungen und hilft Unternehmen, auch unter unsicheren Bedingungen handlungsfähig zu bleiben. In den letzten Jahren wurden moderne Technologien wie prädiktive Analytik, das Internet der Dinge (IoT) und künstliche Intelligenz (KI) in SCM-Software integriert. Sie ermöglichen es, potenzielle Störungen frühzeitig zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Die Bedeutung des Lieferkettenmanagements
Lieferkettenmanagement beeinflusst weit mehr als nur die Kundenzufriedenheit. Sein erfolgreiches Funktionieren bildet das Fundament für den gesamten Entwicklungs- und Produktionszyklus – und bei vielen Unternehmen sogar für das gesamte Wertversprechen. Wenn das Lieferkettenmanagement gut funktioniert, profitiert das gesamte Unternehmen davon. So stellt es beispielsweise sicher, dass Rohmaterialien rechtzeitig und in brauchbarem Zustand am Produktionsstandort ankommen. Ohne diese Materialien kann die Produktion zum Stillstand kommen – was zu unnötigem Ausschuss und Verzögerungen führt.
Da Störungen in der Lieferkette unvermeidlich sind, sollte das Lieferkettenmanagement auch zukunftsorientierte Maßnahmen beinhalten – etwa die Bedarfsprognose, mit der Unternehmen Produktions- und Beschaffungsentscheidungen für stark nachgefragte oder saisonale Produkte priorisieren können, sowie die Risikoprognose, die potenzielle Verzögerungen wie extreme Wetterereignisse oder geopolitische Instabilität antizipiert.
Als Teil moderner PLM-Frameworks koordiniert das Lieferkettenmanagement die Bereiche Konstruktion, Fertigung und Beschaffung mit den logistischen Abläufen. Werkzeuge für das Lieferkettenmanagement, die sich in PLM-Lösungen wie Aras Innovator integrieren lassen, ermöglichen Unternehmen den Zugriff auf umfassende Informationen über jede Phase der Produktion und helfen, schneller und flexibler zu agieren.
Schlüsselelemente des Lieferkettenmanagements
Da das Lieferkettenmanagement ein komplexer und multifunktionaler Prozess ist, erstreckt es sich über viele Unternehmensbereiche, die alle koordiniert zusammenarbeiten.
Die zentralen Elemente des Lieferkettenmanagements
Produktentwicklungsplanung
- Kollaborative Planung
- Integrierter Informationsaustausch
- Design unter Berücksichtigung von Logistik und Fertigung
- Interdisziplinäre Teams
Bestands- und Ressourcenplanung
- Bewertung von Lagerbeständen und möglichen Nachfragespitzen zur Entwicklung einer Produktionsstrategie
- Erkennung von Optimierungs- oder Verbesserungspotenzialen in Prozessen
Beschaffung
- Koordination mit Teams für Einkauf und Personalbeschaffung
- Beschaffung von Materialien und Qualitätskontrolle
Fertigung
- Zusammenbau von Rohmaterialien zu einem fertigen Produkt
Lieferung
- Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern, um das Produkt vom Produktionsort zum Einsatzort zu transportieren
Rücksendungen
- Einfache Rückgabeprozesse für Kunden anbieten
Gängige Ansätze im Lieferkettenmanagement
Verschiedene Strategien im Lieferkettenmanagement bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile. Je nach Team oder Unternehmensziel können sich bestimmte Taktiken besser eignen als andere. Hier sind die gängigsten Ansätze im Überblick:
Design for Supply Chain (DfSC)
Die Produktgestaltung beeinflusst, wie einfach und kosteneffizient ein Produkt hergestellt, verteilt und geliefert werden kann. Wenn bereits in der Designphase Aspekte der Lieferkette berücksichtigt werden, kann das Produkt optimal für Produktion, Beschaffung und Logistik ausgelegt werden.
Lean Supply Chain Management
Beim Lean Supply Chain Management liegt der Fokus auf der maximalen Wertschöpfung für den Kunden. Ineffiziente oder überflüssige Prozesse werden eliminiert, und es werden nur solche beibehalten, die echten Mehrwert liefern. So verzichten schlanke Lieferketten beispielsweise auf Überproduktion, bei der übermäßige Bestände zur Absicherung gegen Nachfragespitzen produziert werden.
Agiles Lieferkettenmanagement
Agiles Lieferkettenmanagement versucht, flexibel mit dynamischen Veränderungen in der Lieferkette umzugehen, statt sich ihnen entgegenzustellen. Ziel ist es, Organisationen anpassungsfähig und reaktionsschnell zu halten, um auf wechselnde Rahmenbedingungen reagieren zu können.
Six Sigma
Six Sigma ist eine Methodik des Lieferkettenmanagements, die auf kontinuierlicher Verbesserung basiert. Prozesse werden analysiert, um sie zukünftig effizienter zu gestalten. Dieser datengestützte Ansatz hilft Unternehmen, strategische Entscheidungen im SCM auf fundierter Grundlage zu treffen.
Umfassendes Qualitätsmanagement (Total Quality Management, TQM)
Beim TQM werden alle Mitarbeitenden in die kontinuierliche Verbesserung von Prozessen eingebunden. Ziel ist es, eine Unternehmenskultur zu schaffen, in der jeder Bereich des Unternehmens regelmäßig überprüft und optimiert wird, um langfristig Effizienz und Qualität zu steigern.
Resilientes Lieferkettenmanagement
Ein resilienter Ansatz hilft Unternehmen, widerstandsfähiger zu werden und sich schneller von unvorhergesehenen Ereignissen zu erholen. Solche Lieferketten benötigen unter Umständen größere Kapazitäten, um Lagerbestände auch in Krisenzeiten aufrechterhalten zu können. Dabei wird möglicherweise ein Teil der Agilität zugunsten von Stabilität geopfert.
Grünes Lieferkettenmanagement
Beim grünen Lieferkettenmanagement stehen ökologische Effizienz und Nachhaltigkeit an erster Stelle – wirtschaftliche Effizienz folgt als zweites Ziel. Es berücksichtigt die gesamten Umweltauswirkungen eines Produkts, von der Herstellung bis zum Lebensende.
Digitales Lieferkettenmanagement
Digitales Lieferkettenmanagement wird zunehmend zu einer Grundvoraussetzung für alle zuvor genannten Ansätze. Mithilfe moderner Technologien werden Daten aus verschiedenen Quellen zusammengeführt, was schnellere und fundiertere Entscheidungen auf allen Ebenen der Lieferkette ermöglicht.
Software für das Lieferkettenmanagement
Lieferkettenmanagement-Software umfasst viele verschiedene Tools, die entwickelt wurden, um die Kernfunktionen des modernen Supply Chain Managements zu unterstützen, darunter:
Lieferantenportale
Bieten eine strukturierte Plattform für den Austausch von Designanforderungen, das Einholen von Angeboten und das kollaborative Management von Überarbeitungen.
Bestandsverwaltungssoftware
Unternehmen müssen jederzeit auf ihre Lagerbestände zugreifen können, um zu entscheiden, ob weitere Produkte hergestellt werden sollen. Bestandsmanagement-Software überwacht automatisch den Lagerbestand und liefert schnelle, präzise Informationen.
Auftragsverwaltungssysteme (OMS)
OMS ermöglichen es Unternehmen, Aufträge zu empfangen, zu katalogisieren und deren Fortschritt zu verfolgen. Sie spielen eine zentrale Rolle im SCM, da sie es Kunden und Unternehmen erlauben, den Status einzelner Bestellungen nachzuverfolgen.
Lagerverwaltungssysteme (WMS)
WMS helfen Unternehmen, die Nutzung von Lagerfläche und Zeit zu optimieren. Diese Optimierung kann sehr präzise erfolgen – etwa durch das Gruppieren häufig gemeinsam gelagerter Artikel oder die Planung effizienter Kommissionierungswege.
Transportmanagementsysteme (TMS)
Mit einem TMS können Verantwortliche alle logistischen Prozesse verwalten – von der Überwachung der Fahrzeugflotte bis zur Ausschreibung für neue Transportunternehmen.
Software für die Nachfrageplanung
Demand-Planning-Software hilft Unternehmen, saisonale Nachfrage zu prognostizieren, vergangene Trends zu analysieren und sich auf unerwartete Nachfragespitzen vorzubereiten.
Lieferantenbeziehungsmanagement-Software (SRM)
SRM-Software ermöglicht es Unternehmen, alle Lieferanten und Dienstleister im Blick zu behalten. In vielen Branchen sind SRM-Lösungen essenziell, um langfristige, vertrauensvolle Beziehungen mit Lieferanten aufzubauen.
ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning)
ERP-Systeme unterstützen die unternehmensweite Ressourcenplanung – auch über die Lieferkette hinaus. Im Gegensatz zu SCM-Software integrieren ERP-Systeme oft auch weitere Geschäftsbereiche wie Buchhaltung oder Marketing.
Analyse-Software für die Lieferkette
Mit Analyse-Tools lassen sich Leistung und Effizienz entlang der Lieferkette anhand definierter Kennzahlen überwachen. Solche Software identifiziert wichtige Trends und Verbesserungspotenziale proaktiv.
Transparenzsoftware für die Lieferkette
Diese Software stellt SCM-Experten die Informationen bereit, die sie in Echtzeit über alle Aspekte ihrer Logistik benötigen. Mit erhöhter Transparenz können fundiertere Entscheidungen getroffen und Ineffizienzen erkannt werden.
Lieferkettenmanagement und Industrie 5.0
Das Lieferkettenmanagement wird eine Schlüsselrolle beim Aufbau der Industrie 5.0 spielen. Um die Leistungssteigerungen zu erreichen, die für diese zukunftsorientierte Vision der Industrie notwendig sind, müssen Unternehmen ihre SCM-Praktiken intensivieren und sich laufend über die neuesten Best Practices informieren. Insbesondere folgende Technologien werden dabei eine zentrale Rolle spielen:
Lieferkettenmanagement und KI
Künstliche Intelligenz (KI) unterstützt Teams im SCM dabei, fundiertere Entscheidungen auf Basis ihrer Daten zu treffen. Große Datenmodelle werden zukünftige Trends präziser vorhersagen als je zuvor, während generative KI-Chatbots Teammitgliedern ermöglichen, tiefgehende Analysen über dialogbasierte Fragen abzurufen – und so datengestützte Erkenntnisse leichter zugänglich machen.
Lieferkettenmanagement und IoT
Das Internet der Dinge (IoT) bezeichnet die Integration drahtloser Konnektivität in eine Vielzahl von Objekten. Im Kontext der Lieferkette ermöglicht die IoT-Technologie Teams den sofortigen Zugriff auf aktuelle Informationen über viele Punkte in der Lieferkette – vom Wetter über die Produktionslinie bis hin zur Position einzelner Lieferungen.
Lieferkettenmanagement und Automatisierung
Automatisierung übernimmt Prozesse wie Bestandsmanagement, Auftragsverarbeitung und vieles mehr. Dadurch werden Routineaufgaben reduziert und die Teams können sich stärker auf strategische Entscheidungen und Prozessoptimierung konzentrieren.
Weitere Informationen finden Sie in unserem
eBook „Engineering to Possible: Die Bedeutung des systemischen Denkens und der Produktvariabilität in Lieferkettenstrategien“.
Aras-Funktionen im Bereich Lieferkettenmanagement
Mit seinen Lösungen für das Lieferantenmanagement bietet Aras Innovator® eine ideale Plattform für modernes Lieferkettenmanagement, einschließlich folgender Funktionen:
Software für Lieferantenmanagement zur Bewertung, Auswahl und Verbesserung von Qualität und Risiken
Zur Pflege starker Beziehungen ermöglicht diese Funktion die Überwachung und Optimierung der Zusammenarbeit und Performance Ihrer Lieferanten.
Systeme zur Erweiterung von Prozessen und Workflows auf das gesamte Netzwerk
Durch die gemeinsame Nutzung von Prozessen und Workflows mit Partnern wird eine bessere Kommunikation und mehr Vertrauen gefördert.
Koordination und Ermöglichung eines nachvollziehbaren, bidirektionalen Informationsaustauschs
Ein bidirektionaler Informationsaustausch erlaubt es vertrauenswürdigen Lieferanten, Informationen sofort einzusehen und zu teilen – damit alle Beteiligten auf dem gleichen Stand sind.
Einführung ins Lieferkettenmanagement
Wenn Sie bereit sind, das Lieferkettenmanagement in Ihre PLM-Prozesse zu integrieren, prüfen Sie, welche Tools am besten zu Ihren Anforderungen passen. In Aras Innovator ermöglicht der flexible und offene Informationsfluss Ihrem Team und den Lieferanten, das volle Potenzial des digitalen Fadens auszuschöpfen.